04 Geschichte 3D und diachrone Kommunikationswissenschaft

 

Excerpt

Kulturgeschichte als Veränderung des Fließgleichgewichts

"Eine Kultur ist kein Gemälde; sie ist ein lebendiger Vorgang, aus zahllosen sozialen Wechselwirkungen zusammengesetzt. Gleich einem Fluss, dessen Form und Schnelligkeit von dem Ausgleich der Kräfte bestimmt werden, die das Wasser schneller fließen machen wollen, und der Reibung, die das Wasser langsamer fließen machen will, ergibt sich das kulturelle Verhalten eines Volkes zu einem bestimmten Zeitpunkt durch einen Ausgleich gegeneinander wirkender Kräfte ... genauer gesagt, als ein 'in Bewegung befindlicher Ausgleichsprozess'. Sobald ein bestimmtes Niveau erreicht ist, kommen gewisse Vorgänge der Selbstregulierung zum Zuge, die das Leben der Gruppe auf diesem Niveau zu halten suchen.
...
Um überhaupt eine Veränderung herbeizuführen, ist der Ausgleich zwischen den Kräften zu beseitigen, die die soziale Selbstregulierung auf einem bestimmten Niveau bewirken.
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Hand in Hand mit der Vernichtung der Kräfte, die das alte Gleichgewicht herstellen, muss die Schaffung (oder die Befreiung) von Kräften gehen, die auf ein neues Gleichgewicht zielen."


In:  Kurt Lewin: Die Lösung sozialer Konflikte, Ausgewählte Abhandlungen über Gruppendynamik, Bad Nauheim (Christian-Verlag), 1968

Fliesstext: Dialektische Entwicklungsmodelle: Kurven plus Stufen

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