04 Geschichte 3D und diachrone Kommunikationswissenschaft

Fliesstext   Geschichte als Entwicklung

An und für sich ist die Skalierung der Parameter auf den Koordinatenachsen einer zweidimensionalen Darstellung (z. B. Abszisse = Zeit, Ordinate = Ereignisse) gleichwertig. In der Praxis verknüpfen sich mit ihr jedoch Werturteile. Das Jahr 2000 steht uns 'näher' als das Jahr 2000 vor Christus - und deshalb gilt es als wichtiger. Die Skalierung der y-Achse wird ebenfalls nicht nur als Gradmesser, z. B. der Buchproduktion, genommen, sondern die Zunahme an Komplexität (Ereignissen) wird positiv bewertet.

Sobald solche Bewertungen von Veränderungsprozessen vorgenommen werden, verwandeln sie sich in Entwicklungskurven.

Die Bewertung der Skalierung ist die einfachste Form eines Entwicklungsmodells. Die Bewertung der Parameter führt ebenfalls zu Entwicklungsmodellen. Dabei hat der zeitliche Parameter immer Priorität. Ansonsten hätten wir es nicht mit historischen sondern anderen Prozessen zu tun. Sobald wir aber mehr als 2 Parameter annehmen, was bei praktisch allen kultur- und kommunikationstheoretischen Untersuchungen der Fall ist, können wir eine abstufende Bewertung Anmerkung zur 'Bewertung und Hierarchisierung von Parametern' der übrigen beteiligten Parameter vornehmen. Es entstehen Hierarchien zwischen den Parametern. Zum Beispiel wird der Parameter 'Technische Erfindungen' wichtiger als jener der 'Anzahl der Gläubigen'. Diese Relationen zwischen den Parametern können nochmals auf einen (Entwicklungs-) Parameter abgebildet werden. Dies kann z. B. ein Perfektionsmodell sein.Beispiel: Ein informationstheoretisches Perfektionsmodell: Synästhetische Informationsverarbeitung und Kommunikation und artenübergreifende Kommunikation      Beispiel: Ein netzwerktheoretisches Perfektionsmodell: Globalisierung und Multimedialität      Fliesstext: Synästhetisches Perfektionsmodell: Mediengeschichte als Balancieren zwischen Ausdifferenzierung, Sozialisierung, Technisierung und Integration der Sinne und Medien
Die Feststellung von kulturellen Entwicklungen verlangt grundsätzlich eine solche selektive Bewertung von Veränderungsparametern und -kurven. Aus der Vielzahl der möglichen Parameter werden einige wenige als 'signifikant' ausgewählt, und diese werden nochmals auf den Entwicklungsparameter nach 'positiver' oder 'negativer'  Entwicklung abgetragen.

Es ist wichtig, im Gedächtnis zu behalten, dass solche Bewertungen nicht nur von Wissenschaftlern vorgenommen werden, sondern zu selbstverständlichen Vorgängen im Alltag einer jeden Kultur gehören. Diejenigen Parameter, die prämiert werden, erhalten auch grössere Aufmerksamkeit. Hier finden soziale Normierungs- und Technisierungsprozesse statt.

In der Literatur werden noch weitere Bedingungen für Entwicklungsvorgänge bzw. für die Unterscheidung zwischen Veränderung und Entwicklung genannt, z. B.

Zusammenfassung: Allgemeine Typologie historischer Prozesse irreversible Veränderung
Aufhebung und Bewahrung: unvollständige Metamorphose, dialektische Prozesse


F.A.Q.  Empirische Fragen zu Entwicklungsprozessen
Welche Parameter der Veränderung werden (von wem) kulturell prämiert?
Wie verändert sich die Prämierung in der Zeit? (Verschiebung von Prestige)
Welche Medien, Kommunikationsbahnen, Informationsverarbeitungsprozesse werden beobachtet und reflexiv verstärkt?
In welche wird kulturelle Energie gesteckt, z. B. in Form von Institutionalisierung und Technisierung?

Zusammenfassung: Allgemeine Typologie historischer Prozesse

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Dass die Bewertungskriterien von Parametern offengelegt werden, ist in kultur- und medienhistorischen Untersuchungen nicht selbstverständlich. Noch seltener werden solche Hierarchisierungen diskutiert und in Form von Modellen begründet.