04 Geschichte 3D und diachrone Kommunikationswissenschaft

 

Nutzen im Alltag

Die Prämierung des Akkumulationsparameters in der Buch- und Industriekultur

Aus der Perspektive der Buch- und Industriekultur erscheint die Kommunikations- und Mediengeschichte als ein Prozess permanenter Veränderung und Innovation. Dies ist bestenfalls eine einseitige, mystifizierende Vorstellung. Sie ist ebenso die Geschichte von Stagnation, Bewahrung und zyklischer Reproduktion – und andere, ältere Kulturen wie die buddhistischen und hinduistischen Reiche in Asien haben diese Perspektive bevorzugt. Natürlich bedeutet die einseitige Betonung der Wiederkehr des Gleichen auch eine Leugnung realer Zerstörungsprozesse von Medien und Kommunikationsformen.

Diejenigen, die zwischen radikalem Erneuern und dem konservativen Bewahren reformistisch vermitteln, indem sie die Geschichte ausschließlich als Folge von Verschiebungen von Machtzentren bzw. Kommunikationsformen und als quantitative Verstärkung oder Verminderung von Medien und Prozessen beschreiben, betreiben ebenfalls Arbeit am Mythos. Verschiebungen und positive und negative Wachstumsmodelle machen nur einen Teil der geschichtlichen Vorgänge aus. Der Buchdruck ist keine Verbesserung des Schreibens und das Internet keine bloße Verschiebung von vorhandenen Kommunikationswegen.

Welches Modell der Geschichte kultureller Kommunikation und ihrer Medien erfüllt dann die Anforderungen der gegenwärtigen Übergangszeit? Vermutlich kein einzelnes allein. Wir werden mehrere Konzepte benötigen, darunter auch die drei erwähnten.

Je nach Zeitgeist und Temperament wird die Mediengeschichte als Veränderungsgeschichte oder als Wiederholungsgeschichte beschrieben. Modern sind augenblicklich die Veränderungsgeschichten. Die besseren stellen beides (unverbunden) nebeneinander. Man sieht dann zwar die Extreme, aber die Zusammenhänge bleiben verborgen.

Fliesstext: Positive und negative Wachstumskonzepte

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