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05 Kulturgeschichte als ökologische Kommunikations- und Mediengeschichte

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Dokumentation   Tafel 7:  Mensch und Pflanzen

In den archaischen Gesellschaften der Sammler und Jäger und dann der Ackerbauern waren Pflanzen unverzichtbarer Bestandteil der kulturellen Kommunikationsgemeinschaft. Man redete mit Pflanzen, sprach ihnen menschliche Fähigkeiten zu, machte sie zum Ausdrucksmedium göttlichen Willens oder vergottete sie selbst. Zugleich nutzten die Menschen Pflanzen und Samen in Opferhandlungen von sich aus als ein Medium der Kommunikation mit der Natur und mit transzendentalen Mächten.

Fructus Mandragorae

Fructus Mandragorae

 

Beim Herausreißen schreit
die Pflanze, deren Wurzel
als weibliche Gestalt
dargestellt ist, so sehr, dass
derjenige, der sie herausreißt,
aufgrund des lauten Schreis
Schaden nehmen soll.
Deshalb hält sich der rechts
befindliche Mann die Ohren zu.
Der Hund, der mit einem
Futtertrog gelockt wird, wird
aufgrund seiner Bewegung
die Pflanze herausreißen,
dies wird er allerdings
mit dem Leben bezahlen.

 

Tacuinum Sanitatis, f.40r, ca. 1390;
Oberitalien: Fructus mandragorae.
Codex Vindobonensis, Ser. Nov. 2644

Die mehr oder weniger reichliche Ernte zeigte ihnen, ob das Gespräch mit den verschiedenen Naturgewalten erfolgreich war oder nicht. Dieses Konzept setzt voraus, dass die Menschen eine große Ähnlichkeit zwischen sich und den Pflanzen erkennen.

Die Natur hat Augen und Ohren

Die Natur
hat Augen und Ohren

 

"Da müget ir gar vil
an lernen guoter dinge,
wan die böume
gelichent den liuten
unde die liuten
böumen."

Berthold von Regensburg,
Predigt 'Von dem wagen'
(hrsg. von K. Ruh, Bd. 1,
Berlin 1965, S. 158)

München Cgm 254, Bl. 21r

 

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