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07 Buchkultur - Exemplarische Anamnese und Diagnose

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Dokumentation

Tafel 2:  Frühe Auswirkungen der neuen Technologie:
Beschleunigung und Effektivierung der Verwaltungsarbeit

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Der Buchdruck hat seinen Namen zwar vom 'Drucken' der 'Bücher', aber die neue Technologie wird von Anbeginn an auch für die Vervielfältigung von Formularen, Urkunden, Briefen, Bekanntmachungen, Andachtbildern und anderen 'Einblatt'-Drucken eingesetzt.

 

A.JPG (3779 Byte) blassbriefe’ gehören zu den ersten Auftragsarbeiten von Gutenberg, und P. Schöffer lieferte 1480 dem Mainzer Erzbischof "104 lange Briefe, die man anschlagen soll", Plakate also. Von Jobst Gutknecht, einem Nürnberger Drucker, ist uns ein Rechnungsbuch erhalten, aus dem die Vielzahl von Anlässen deutlich wird, bei denen die neuen Technologie zum Tragen kommt. Am 25. Juli 1539 schreibt er dem Nürnberger Rat eine Rechnung (u. a.) über folgende Akzidenzdrucke:
500 Exemplare eines Mandats,
"dass man Verlobungen und Hochzeit mehrfach ankündigen soll"
drei Nachdrucke dieses "Verkundzettels" (500 Auflage)
200 Exemplare eines Mandats, "dass keiner ohne Erlaubnis wegziehen soll"
100 Exemplare eines Mandats, das den Aufenthalt auf dem Kirchhof während der Predigt verbietet
sowie (vgl. Faksimile links):

"Item ein mandat, dass kein wirt under den malzeiten niemand zu eßen soll geben"
250 [Exemplare] um 1 fl 1 ort.
Item mer zu zweien malen zettel gedruckt zu fronen, des ersten mal 7000 um 7 fl.
Item mehr zum anderen mal gedruckt 7000 um 7 fl.
Summa aller Zetel 20 fl ½.
E(uer) f(ursichtiger) w(eisheit) undertheniger Jobst Gutknecht
1539
Jobst Gutknecht, Buchdrucker
zettl. act. 4a adi 23. julii”

Wenn man davon ausgeht, dass die Einwohnerzahl in Nürnberg in der Reformationszeit bei etwa 47.000 gelegen hat, dann bedeutet der zweimalige Druck von 'Zetteln' mit der Aufforderung zur Fronarbeit in einer Auflage von 7.000 Exemplaren, dass man tatsächlich jeden Haushalt mehr als einmal abdeckte - was eine Vorstellung von dem hohen Alphabetisierungsgrad in den Reichsstädten des 16. Jahrhunderts vermitteln mag.

 

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Die Verwendung des Druckmediums vergrößerte die Effizienz der städtischen und kirchlichen Verwaltungen, weil eine Vielzahl von Schreibern eingespart und der Informationsfluss beschleunigt werden konnte. Um die komplizierter werdenden Gemeinwesen unter der Beteiligung möglichst vieler Bürger verwalten zu können, wurde der Buchdruck bald unersetzlich.

 

Die Kenntnis der Getreide-, Metzger-, Apotheker- und anderer 'Tax'-Ordnungen gab den Bürgern Kontrollmöglichkeiten.
Standardisierung und Professionalisierung des institutionellen Handelns ließen sich dank der neuen Vervielfältigungstechnik leichter durchsetzen.

 

 

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I.JPG (3870 Byte) n
einer Vielzahl
von Taschenbüchern
und Ratgebern
lieferte man
den 'Bürgern'
praktische Informationen
über beinahe
alle Lebensbereiche.

 

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